Eine prima Ergänzung zum STR®-Konzept zum Thema Hüftfehlstellungen


Ursachen, Auswirkungen, und einfache Behebung durch die Dorn-Methode

 

Wie kommt es zur erworbenen Beinlängendifferenz?

 Sie ist ein Ergebnis unserer „zivilisierten“ Lebensweise: Wir sitzen oft stundenlang in unseren Autos und am Arbeitsplatz, außerdem schlagen wir beim Sitzen gerne unsere Beine übereinander – eine Angewohnheit, die beispielsweise Naturvölkern vollkommen abgeht.

Doch schon bei den Kleinsten beginnen die Zivilisationsprobleme. Eigentlich können wir froh sein, dass unsere Kinder nach der Geburt so optimal versorgt werden, wenn da nicht der „Collis-Test“ wäre …

Der Collis-Test

(vertikale Hängereaktion)

 

Der Collis-Test ist ein neurologischer Test bei Kleinkindern zwischen dem 1. und 7. Lebensmonat. Das Baby wird im Wechsel an einem(!) Bein hochgehalten, um die muskuläre Reizantwort zu prüfen. Durch das Gewicht des Kindes kann jedoch im Hüftgelenk zu Einrissen in der Gelenkkapsel kommen. Die Bandstrukturen des Gelenks werden maximal überdehnt. Dabei entfernt es sich weit vom physiologischen Sitz in der Pfanne. Die Muskulatur des Babys noch zu schwach ist, um das Hüftgelenk optimal zu stabilisieren. So können Verschiebungen bis zu 5 mm entstehen, was bei einem Baby viel ist und im Laufe des Wachstumsprozesses zu Problemen führen kann.

Ein Millimeter bei einem Kleinkind kann bei einem Erwachsenen schon mehr als einen Zentimeter bedeuten. Zwar wird der Test normalerweise beidseitig durchgeführt, doch es ist nichts dabei gewonnen, wenn beide Seiten der Gelenkstabiliserenden Strukturen maximal überdehnt werden.

Bei „herausgerutschten Hüftgelenken“ (Hüftluxation), bzw. Verschiebung der Hüften, wird Kleinkindern oft eine Spreizhose verschrieben. Wie viele dieser Spreizhosen könnte man Kleinkindern ersparen, wenn auf Alternativen zum Collis-Test zurückgegriffen würde!

Ein Beispiel aus der Praxis:

Eine Mutter kam mit ihrem dreijährigen Sohn zu mir in die Praxis. Der Junge klagte seit über einem Jahr über ständig stärker werdende Schmerzen im rechten Hüftgelenk. Ich konnte eine Beinlängendifferenz von 1,5 cm feststellen. Die Befragung der Mutter ergab, dass das Kind weder einen Unfall noch einen Sturz hinter sich hatte. Auf die Frage, ob der Collis-Test durchgeführt worden sei, konnte sich die Mutter daran erinnern. Der Test war nur an einem Bein durchgeführt worden und außerdem hing das Kind ca. 20 Sekunden kopfüber nach unten, weil sich der Reflex verzögerte.

Der Junge wurde nach Dorn behandelt, und ich zeigte ihm die Selbsthilfeübung zur Hüftkorrektur. Nachdem er zwei Wochen lang die Übung durchgeführt hatte, waren seine Schmerzen verschwunden; die Beine waren gleichlang geblieben und die sich abzeichnende Wirbelsäulenverkrümmung durch die Fehlstatik war verschwunden.

Untersuchungen in Kindergärten haben gezeigt, dass schon viele Kindergartenkinder mit unerkannten Beinlängendifferenzen durchs Leben gehen, bzw. in diesem Alter eher hüpfen und springen. Würde hier das Hochhalten der Babys an einem Bein unterbleiben, dann wäre schon eine mögliche Ursache späterer Beschwerden beseitigt.

 

Das Übereinanderschlagen der Beine

Hier gibt es eine Wechselwirkung. Wir schlagen unbewusst die Beine übereinander, da wir unterschiedliche Beinlängen haben, und entlasten dadurch die Hüftgelenke. Jedoch werden dabei die Beinlängenunterschiede verstärkt, ohne dass sie sich wieder von alleine in ihre anatomisch korrekte Stellung zurückversetzen.

Wir schlagen die Beine übereinander weil es also bequem ist. Zudem haben wir oft ein „Lieblingsbein“. Allein hieran kann man schon das Ungleichgewicht der Faszien- und Muskelzüge erkennen.

Das wiederum führt dazu, dass wir die Beine übereinander schlagen, weil dadurch die Hüfte entlastet wird.

Hierdurch können aber Entzündungen im Schleimbeutel der Hüfte und in den Bandstrukturen der Kniegelenke Überlastungen entstehen.

Um aus diesem Fehlhaltungmuster herauszukommen gibt es nachfolgend die einfache, aber zigtausend mal bewährte Eigenübung zur Beinlängenkorrektur nach Dorn.

 

Das Bild zeigt die Hauptbelastungspunkte bei übereinandergeschlagenen Beinen:

 

Warum sind gleich lange Beine so wichtig?

 

„Ungleich“ lange Beine können zu einer Instabilität im unteren Sprunggelenk führen. Durch die Fehlbelastung kommt es beim Laufen häufig am „kürzeren“ Bein zum schmerzhaften Einknicken des Fußes (Inversionstrauma). Dem „kürzeren“ Bein fehlt die Stabilität von der Basis her und somit der Bodenkontakt.

Über das obere Sprunggelenk kann man nicht mehr richtig abrollen. Während man mit der „langen“ Seite „aufstampft“, belastet man mit der „kurzen“ Seite die Ferse zu stark. Die Folge ist häufig ein Fersensporn durch Überbelastung.

Zudem gibt es noch so genannte propriozeptive Nervenverbindungsbahnen, die vom Fuß ausgehen. Diese sind für die Wahrnehmung der Gelenkstellung im Raum zuständig. Bei einer Fehlbelastung der Füße werden darüber verfälschte Impulse ans Gehirn gesendet, was sich oftmals  in einer gewissen Gangunsicherheit und Schwindel bemerkbar machen kann.

Nach dem Beinlängenausgleich ist dann eine Stabilisierung beim Abrollen zu erkennen.

Auch Kiefergelenksprobleme können von einer durch unterschiedliche Beinlängen ausgelösten Fehlstatik herrühren. Das ist den Kieferchirurgen zwar bekannt, doch fehlt ihnen häufig das Wissen, wie man hier einfach Abhilfe schaffen kann. Es gibt allerdings inzwischen einige Kieferspezialisten, die Patienten vor einer notwendig gewordenen Operation – wie etwa bei irreparablen Abnutzungserscheinungen – zum Richten der Beinlängendifferenz in eine Dorn-Praxis überweisen.

Doch der wohl wichtigste Faktor ist die ungleichmäßige Durchblutung und Versorgung der beiden Gehirnhälften durch die Beinlängendifferenz. Zum einen enthält das Gehirn durch die Fehlbelastung bzw. unterschiedliche Belastung der Füße und die sich daraus entwickelnden Wirbelverschiebungen Fehlinformationen. Zum anderen erfolgt eine Fehlversorgung der beiden Gehirnhälften über die Zwischenwirbellocharterie des ersten Halswirbels (Arteria vertebralis).

Das kann bei Kindern mit einer rechtsseitigen Beeinträchtigung eine eventuelle Hyperaktivität noch verschlimmern und bei linksseitigen Beeinträchtigungen zu Konzentrationsschwächen führen. Auch hier wird häufig beobachtet, dass das Richten der Beinlängen und des ersten Halswirbels diese Symptome zum Abklingen bringt.

 

Warum erfolgt bei Dorn die Behandlung von der Mitte her?

Grundsätzlich sollte jeder in seiner Mitte ruhen. Wenn dies nicht der Fall ist, weil z.B. das Becken verschoben ist, müssen die Wirbelsäule und die Gelenke unterhalb der Hüfte Beinlängendifferenzen ausgleichen. Dadurch können sich einzelne Wirbel verschieben, die dann wiederum auf Nerven drücken. Es können z.B. Schmerzen in den Kniegelenken entstehen. Die Wirbelsäule umhüllt den Rückenmarkskanal, der die Versorgung des Gehirns sicherstellt. Nervenwurzeln zwischen den Wirbeln sind gleichsam als Schaltstellen für die nervöse Versorgung der Organe zuständig. Wirbelfehlstellungen führen deshalb zur Fehlinformation der Organe; das Zellgedächtnis des Zellgewebes verändert sich. Außerdem behindern Blockaden den Energiefluss der Meridiane.

 

Was passiert nun funktionell bei der Übung zum Ausgleich der Beinlängen?

Wenn wir also ein Bein über das andere schlagen, entlasten wir nicht nur die Strukturen dieses Beines, sondern dehnen hier auch z.B. die Adduktoren (Muskeln am Innenbein des Oberschenkels).

Zudem entlasten wir den Hüftspannermuskel (M. tensor faszia latae) und hemmen den Hüftbeugemuskel (M.Iliopsoas). Somit manifestieren wir die Fehlhaltung und speichern im Gehirn weiterhin das falsche Druck-Zugverhältnis der Muskeln ab.

Gerade die Übung zum Beckenschiefstand sollte man öfter wiederholen, damit die Anpassung der Muskel- und Bandstrukturen aktiviert wird. Es findet so eine schnellere „Umprogrammierung“ im Cortikalen Bereich des Gehirns statt. Häufiges Wiederholen ist möglich, da das Gelenk durch diese Übung nicht ausleiern kann. Im Gegenteil, die Kapsel wird, wie oben erwähnt, durch ein Ausgleich der Muskelzüge entlastet.

Die bekannte Selbsthilfeübung zur Hüftkorrektur: Anfangsstellung
Hier könnte noch ein drittes Bild eingefügt werden, denn oftmals ist es sinnvoll eine Außenrotation im Hüftgelenk mit einzufügen, um die Adduktoren, wie oben erwähnt, mitzudehnen und den Hüftspannermuskel so zu entlasten.

Die Endstellung

Der Autor:

Gamal Raslan

 

Fortbildungszentrum für:

STR®-Schmerztherapie nach Raslan, Dornmethode, Sensomatics®, Wirbelschröpfen nach Raslan

 

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Quellenangabe:

Gamal Raslan: Der Sanfte Weg zur Mitte: Die Dorn-Methode,
Aurum in J. Kamphausen, ISBN 3-89901-018-3